Warum Vinyl?

Warum macht ihr denn eigentlich eine Schallplatte? Es hat doch heute niemand mehr einen Plattenspieler.Schon des Namens wegen. Eine Platte, in der der Schall wohnt?! Das ist Poesie. Reicht das nicht? Übrigens wurden im letzten Jahr erstmalig seit dem Ende der 80iger Jahre mehr Platten als CDs verkauft. Es scheinen also doch noch ein paar Menschen ein funktionierendes Abspielgerät zu besitzen. Würden wir aber aus diesem Grund eine Platte machen wollen, dann wären wir auch eine jener Bands, die alles darum geben, ihre Lieder radiotauglich zu schleifen….Die Überlegung ging vom Cover aus. Wenn man ein Cover hat, dann sollte es auch zu erkennen sein. Und wir hatten diese Idee mit der Fotocollage, die die Szenen aus den Liedern dargestellt. Das wirkt eben nur ab einer bestimmten Größe. (Das Bild ist vorläufig. Die Gestaltung wird in einem andeen Post abgehandelt.)Des Weiteren haben wir ein Album aufgenommen und keine Liedersammlung oder Playlist. Die Idee eines Albums, bei dem die Lieder einen Zusammenhang ergeben, wurde doch erst durch das Medium der Schallplatte möglich. Anfangs waren die Platten der Beatles auch nur reine Singlezusammenstellungen. Später dachten sie mehr und mehr darüber nach, wie sie die ihnen zur Verfügung stehende Zeit des Vinyls als Ganzes gestalten können. Ab da gab es dann In- und Outros der Alben… Immer weiter, bis zu den Rockopern von Pink Floyd. Da ergeben die Stücke einzeln fast überhaupt keinen Sinn mehr. Die CD hat den Spielraum des Konzeptalbums dann ein wenig verlängert. Heute, im ewigen Jetzt, gibt es keine Zeitbegrenzung mehr. Der unendliche Stream hat keinen Anfang und kein Ende. Mit der Pressung auf Vinyl wird daher der Zusammenhang der Stücke verdeutlicht. Du bekommst ja auch einen Downloadcode dazu und kannst hören wann und wo immer du willst. Aber das Vinyl mit dem hübschen Cover in deinem Schrank wird dich daran erinnern, dass die Stücke zusammengehören.Und als letztes: Schallplatten wirft man nicht weg. Wenn sie einem nicht mehr gefallen, dann stellt man sie, wie die unverstandenen Bücher an den Straßenrand und hofft, dass ein anderer schlau aus ihnen wird. Dieses Album ist unser „Dark Side of the moon“. Es haben so viele Menschen mitgemacht, es hat so viele Stadien durchlaufen. Wir würden ihm gern seine angemessene Dauer geben. Und die schönste Vorstellung wäre doch, wenn sie in zweihundert Jahren auf einem Dachboden gefunden wird, der Finder sich nach einem Abspielgerät umschauen muss und dann vielleicht diese Zeit hier wiederentdeckt.