-Scratching Through-

Erinnerungen an Panic in the Impasse Scratching Through

Den                                                Weg                                                 mag                    ich
weit                                                                   mehr                                                                                                , als tatsächlich dort zu sein.

Damals, Da war ich 19…

Dort bei ihr und ihren  Mitbewohnern in der Villa. Aber einer von ihnen korrigiert in der Küche beiläufig meine Texte. Der war in Amerika. Der kann das.  Ich schäme mich für mein schlechtes Englisch. Sie schaut auch etwas beschämt. Zu mir und wieder zu ihm. Hin und her. Aber er geht die Texte reglos durch. Das bewundere ich, denn ich an seiner Stelle hätte mich geregt, sehr sogar und sicherlich mehr als sie.

“… together we would have listen to some songs and hit the ground“

Allein hätte ich das nicht hinbekommen. Das ist aus dem ersten Lied. Es heißt The Path und singt von dem Weg zu Nick Drakes Gartenhütte. So gut wie Nick Darke kann niemand Gitarre spielen. Wir können aber mit abgebrochenen Sticks auf der hohen E- Seite kratzen und der kaputten Gitarre verzweifelte Laute entführen…
Das Kratzen ist auf Scratching through  in jedem Fall Programm.

Das Zusammenkratzen, Durchkratzen, Abkratzen.


In irgendeiner Dokumentation schneidet David Bowie Texte auseinander und erläutert nachdenklich die Cut up Methode. Irgendwie kommt mir sein Künstlergehabe aufgesetzt vor. Manieriert und Affektiert. Dann schreibe ich auch Sätze auf, mische sie mit Beckettzitaten, schneide sie auseinander und setze die Teile zu etwas Neuem zusammen. So gut wie David sehe ich nicht aus. Es ist aber auch keine Kamera dabei- zumindest nicht in der Realität.

„The white flight“:  Weiße Seelenschmetterlinge. Weiße Fäden die sich im schwarzen Raum unendlich kreuzen. Thorgal der Comicheld – Jenseits der Schatten. Und um seine verstorbene Geliebte zurück zu bekommen, schießt er einen Pfeil ab und durchtrennt einen anderen Lebensfaden. Keinen unbekannten, sondern den seiner in ihn unglücklich verliebten Begleiterin. Darauf kommt der lachende Tod und bringt Thorgal seine richtige Frau.

Abgeschmackte Bilder als Ausgangspunkte???

 

Sie werden zerhackt und vermischt – die Spuren verwischt.

Irgendjemand soll sich auf die Suche machen!

Glücklicherweise hat wenigstens mein Freund Eric einen halbwegs kohärenten Text geschrieben. Den bringt er mit und spricht ihn ein.

Alles in Allem weniger Verliebt-sein, Mädchen, Partys und Jugend,  mehr die Sehnsucht nach einem fernen aber vertrauten Ort. Irgendwo da draußen, weit weg. Das Gefühl alt zu sein. Die Scham, sich darin wieder finden zu müssen. Und die Wut  über die Scham und der Neid über Schamlosen. – na gut, doch ziemlich jung…

Wie ist das geworden? Wie haben wir das gemacht?

Mein Bruder spielt Schlagzeug mit dem seltenen Talent, immer das Richtige zu spielen.  Wir kennen uns. Wir gehen rein  und  nehmen alles auf. So entsteht das Meiste. Ein Skelett. Der Schlagzeuger aus der Band hingegen spielt das Falsche. Auf den ersten Blick. Immer. Das hat Methode.  Das wackelige Skelett wird wieder auseinandergebrochen und noch einmal zusammengesetzt. Dadurch erhalten die Stücke ihre seltsame Kompliziertheit. Die Skelettierung  geht aber auch  immer mit dem Gefühl der Bevormundung, der Entmündigung und dem großen Nicht-Verstanden-werden einher. Darüber kommt es oft zum Streit. Wenn nicht offen ausgetragen, dann als verschleppter Missmut. Das schleppt die Band und wird ihr wenig später zu schwer. Bis heute kenne ich aber niemanden, der wie Hannes Richter Schlagzeug spielt. Hier vor allem „The Quite Beholder“ Das Stück das wir im schaukelnden 7/8 Takt gemeinsam entwickeln. Während der Aufnahmen werden die wackeligen Songskelette eingekleidet und angestrichen. Schicht für Schicht. Spur um Spur. Ich liebe dick aufgetragene Ölfarben. Am Ende steht die Aufnahmetechnik noch im Proberaum und wir laden alle ein. Lassen sie alle etwas sagen, nehmen es auf und legen alles übereinander. Dann betrinken wir uns und knirschen mit den Zähnen. Meine Wut wird dann noch einmal gepitcht, verfremdet und versteckt. Denn dafür müsste man sich schämen, meinte man es ernst.

 

 

Micky Mouse ist wirklich gut drauf!


 

Auf dem zerzausten Weg, in der Angst davor anzukommen und etwas werden zu müssen, wird Something zu Something.

 


 

Tungle Hungle und  Mellow Fool sind zwar nicht die ersten Kompositionen der Band, wohl aber die ersten Aufnahmen. Ungefähr ein Jahr vor „Sratching Through“ am gleichen Ort eingefangen. Und weil sie irgendwie dazu gehören, zu Panic in the impasse und der Zeit und dem Anfang, sind sie auf dem  digitalen Release mit dabei….

 



  • Tobias Buder, 2018